Bad Landeck
Lądek-Zdrój

50° 21′ N   -    16° 52′ O

Bad Landeck ist eine Stadt mit etwa 6.200 Einwohnern in Schlesien. Sie gehört zum Powiat Kłodzki in der Woiwodschaft Niederschlesien.

Bad Landeck liegt im Glatzer Kessel (Kotlina Kłodzka) in 450 m NN an der Biele (Białą Lądecką), 18 Kilometer südöstlich der Kreisstadt Glatz, am Rande des Reichensteiner Gebirges (Góry Złote).

Die Geschichte des heutigen Lądek-Zdrój ist bezüglich seiner politischen und kirchlichen Zugehörigkeit weitgehend identisch mit der Geschichte der Grafschaft Glatz, zu der es gehörte. Erstmals erwähnt wurde Landeck 1325. Es wurde damals – seiner geographischen Lage entsprechend – Landeke genannt. Es wird angenommen, dass es schon in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts durch den böhmischen König Ottokar II. Přemysl gegründet und ab 1294 böhmisch königliche Stadt war. König Wenzel IV. erneuerte und bestätigte 1392 der Stadt die bisherigen Privilegien. Bis 1443 gehörte Landeck zur Herrschaft Karpenstein und danach der königlichen Kammer bzw. den jeweiligen Besitzern der Grafschaft Glatz. Die Stadt, die keine Stadtmauer hatte, wurde in den Hussitenkriegen 1428 und 1431 niedergebrannt. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde sie durch die podiebradischen Herzöge von Münsterberg, die zugleich Grafen von Glatz waren, wieder aufgebaut. Im 16. Jahrhundert stagnierte die wirtschaftliche Entwicklung. Auch im Dreißigjährigen Krieg wurde Landeck mehrmals schwer heimgesucht und wirtschaftlich zerstört. Nach den Schlesischen Kriegen, fiel Landeck – zusammen mit der Grafschaft Glatz – 1742, und endgültig nach dem Hubertusburger Frieden 1763, an Preußen und wurde in den Regierungsbezirk Breslau eingegliedert. 1765 richtete ein Standtbrand große Schäden an. 1818 wurde aus den Distrikten Landeck und Habelschwerdt der Landkreis Habelschwerdt gegründet, der bis 1945 unverändert bestehen blieb.

Bad Landeck. Bielepartie mit der Schlössel-Brücke.
Bad Landeck. Bielepartie mit der Schlössel-Brücke.

Landeck Marienbad
Landeck Marienbad

Anfang des 19. Jahrhunderts nahm Landeck, dessen wirtschaftliche Grundlage überwiegend Handwerk und Ackerbau sowie die Badequellen waren, einen positiven Aufschwung, nachdem der preußische König Friedrich der Große und Mitglieder seiner Familie ab 1765 mehrmals die Landecker Quellen zu einer Badekur nutzten. Die Zahl der Badegäste und Erholungssuchenden nahm zu. Auch durch den Eisenbahnanschluss, der mit dem Bau der Nebenbahn Glatz–Landeck–Seitenberg 1897 Landeck erreichte, wurde die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt gefördert. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden das städtische Krankenhaus, das neobarocke Postamt und die stattlichen Villen an der zum Kurort führenden Straße (ul. Zdrojowa) errichtet. Als Folge des Zweiten Weltkriegs fiel Landeck an Polen und wurde in Lądek Zdroj umbenannt. Die deutsche Bevölkerung wurde 1946 ausgeraubt und brutal, völkerrechtswidrig vertrieben. Die neuen Bewohner waren ihrerseits Migranten aus Ostpolen.

Bad Landeck. Georgenbad.
Bad Landeck. Georgenbad.

Sehenswürdigkeiten in der Stadt

 Gerberei Adolf Pompe. Ankauf von Häuten und rohen Fellen.
Haut-Gerberei Adolf Pompe. Ankauf von Häuten und rohen Fellen. 1914.

Das alte Pompe-Gerberhaus, Kirchstraße, Aufnahme von 1914

  • Mittelpunkt der Stadt ist der 96 x 56 m große Ring (Rynek) mit teilweise barocken Hausgiebeln an drei Seiten. Die Häuser der Ring-Nordseite sind mit malerischen Laubengängen versehen, die jedoch nach dem Zweiten Weltkrieg z. T. dem Verfall preisgegeben und an der Nordostecke abgerissen wurden. An der Südwestecke des Rings steht das Haus des berühmtesten Bürgers, Michael Klahr d. Ä. Es ist mit einer Schutzmantelmadonna aus seiner Werkstatt geschmückt.

  • Das in klassizistischen Formen gestaltete Rathaus wurde 1872 errichtet.

  • Die Staupsäule an der Ostseite des Rathauses stand ursprünglich in Heinzendorf (Skrzynka).

  • Die Dreifaltigkeitssäule wurde von Anton Reichel gestiftet und von Michael Klahr d. Ä. um 1739 aus Stein geschaffen. Sie hat einen dreieckigen Grundriss. Auf dem Sockel stehen die Namenspatrone des Stifters: die Hll. Antonius, Lukas und Johannes der Täufer. Auf den oberen Ecksockeln sind die Hll. Joseph, Joachim und Anna dargestellt, dazwischen erhöht Maria Immaculata. Die Säule wird von der Hl. Dreifaltigkeit und einem hochragenden Kreuz bekrönt.

  • Westlich vom Ring steht die Pfarrkirche Mariä Geburt (Kościół Narodzenia NMP) mit einem seitlich stehenden Turm und schöner barocker Haube. Die Kirche wurde erstmals 1336 urkundlich erwähnt. Der heutige Saalbau wurde 1690–1701 vom Baumeister Lorenz Weiss aus Glatz errichtet und Anfang des 18. Jahrhunderts mit Stuck und Deckengemälden verziert. Die Wandmalereien schuf Anfang des 20. Jahrhunderts der Landecker Künstler Wilhelm Reinsch.

    • Von Michael Klahr d. Ä. stammen das Wandkreuz gegenüber der Kanzel und die Figuren der Hll. Anna, Johannes, Ignatius, Franz, Philippus und Franz Xaver.

    • Michael Klahr d. J. schuf die Kanzel mit der Christusfigur auf dem Schalldeckel, den Orgelsprospekt, die Beichtstühle und die Statuen der Hll. Maria und Joseph sowie die Krippe, die zur Weihnachtszeit aufgestellt wird. Den jetzigen Hochaltar schuf 1901 der Landecker Bildhauer August Klein als Kopie des ursprünglichen Hochaltars von Michael Klahr d. J., der in ein Breslauer Museum gegeben wurde.

  • Die Bildsäule am westlichen Ortsausgang ist von 1806 und stellt die hl. Maria mit Zöpfen dar.

  • Die östlich des Rings gelegene Evangelische Salvatorkirche von 1848 ist nicht zugänglich.

  • Die malerische Johannesbrücke über die Biele ist von 1565. Sie wurde 1709 mit der Skulptur des Heiligen Johannes von Nepomuk geschmückt, dessen Haupt von fünf Sternen umkränzt ist.

Bad Landeck. Kurhaus.
Bad Landeck. Kurhaus.

Bad Landeck. Waldtempel.
Bad Landeck. Waldtempel.

Der Waldtempel zu Landeck in Schlesien, 1899.
Der Waldtempel zu Landeck in Schlesien, 1899.

Bad Landeck. Blick auf die Stadt.
Bad Landeck. Blick auf die Stadt.

Geschichte des Bades

 

Neorenaissance Rathaus

Das Landecker Bad, das älteste der ehemaligen Grafschaft Glatz, entwickelte sich auf der Gemarkung Ober-Thalheim. Es liegt östlich der Stadt und wird klimatisch durch das Reichensteiner Gebirge nach Norden und Osten geschützt. Über die Entdeckung der Quellen ist wenig bekannt. Sie wurden vermutlich ab dem 13. Jahrhundert genutzt. 1428 wurden auch die Badeanlagen durch die Hussiten, 1470 durch eine Überschwemmung zerstört. Aufgrund einer Quellenuntersuchung durch den Wiener Arzt Dr. Konrad vom Berge veranlasste Ende des 15. Jahrhunderts Georg I. von Münsterberg, damals Mitinhaber der Grafschaft Glatz, den Bau eines Badehauses (Georgenbad), daneben eines Wohnhauses und einer Georgskapelle und erließ 1501 die erste Badeordnung. 1572 erwarb die Stadt Landeck das Georgenbad, beließ jedoch wegen Geldmangel die inzwischen neu entdeckten Quellen in Privatbesitz. 1604 wurde der erste Badeprospekt herausgegeben. Über der 1625 genannten Schwefelquelle erbaute 1678 Johann Sigismund Hoffmann von Leuchtenstern, der das Grundstück erworben hatte, ein Badehaus (Marienbad) und mehrere Häuser für Kurgäste sowie 1688 die Marienkapelle. Der Enkel des Erbauers verkaufte 1735 das Marienbad zugleich mit den Dörfern Ober-Thalheim, Leuthen, Voigtsdorf, Karpenstein und Heidelberg an die Stadt Landeck.

Die Zahl der Badegäste nahm deutlich zu, nachdem neben Mitgliedern des preußischen Königshauses auch andere hochgestellte Persönlichkeiten das Bad zu Heilzwecken aufgesucht haben. Staatsminister Graf Hoym, der selbst 1782 als Kurgast in Landeck weilte, nahm sich seiner Entwicklung besonders an. Im 19. Jahrhundert erfolgte ein planmäßiger Ausbau des Bades und der Badeeinrichtungen. Im Deutschen Krieg von 1866 dienten Hotels und Badeeinrichtungen als Lazarette für verwundete Soldaten. 1912 wurde das Radium-Emanatorium eröffnet und Landeck zum Radiumheilbad ernannt. Auch im Zweiten Weltkrieg wurde der Kurbetrieb teilweise eingeschränkt und die großen Hotels wiederum als Lazarette benutzt.

Quellen, Heilanzeigen

Die radiumhaltigen Schwefelquellen sind 16,5 bis 29,6 Grad warm, die erst 1972/73 entdeckte, äußerst starke Quelle sogar 43,9 Grad. Sie werden für Trinkkuren und für Bäder genutzt und insbesondere gegen Rheuma, Gicht, Gelenk- und Frauenleiden sowie Altersstörungen verordnet.

Sehenswürdigkeiten im Badebezirk

 

 

Kurhaus "Wojciech" (Marienbad)

  • Das Marienbad (heute Wojciech) wurde erstmals 1678 errichtet und 1778–1780 nach Plänen des Breslauer Architekten Hermann Völker neu erbaut. Es ist ein vornehmer Zentralbau mit Kuppel im Stil der Neorenaissance und enthält im Erdgeschoss des Rundbaus ein Wasserbecken, darüber die Trinkhalle und in den Flügeln die Bäder für die Kurgäste. Es wurde 1984–1998 renoviert. Erhalten ist die Neorenaissance-Dekoration der Trinkhalle und des Redoutensaals.

  • Das Ende des 14. Jahrhunderts erstmals errichtete Georgenbad wurde 1917 neu erbaut.

  • Das Friedrichsbad mit Thermalschwimmbad wurde 1936 erbaut.

  • Die Wandelhalle (Albrechtshalle) entstand 1842.

  • Die auf einer Anhöhe liegende barocke Georgenkapelle (Kaplica św. Jerzego) wurde 1637 neu errichtet und 1665 durch den Prager Erzbischof von Harrach, der zur Kur in Landeck weilte, eingeweiht. Es ist ein achteckiger Zentralbau mit geschweiftem Dach und Laterne. In der Kuppel befinden sich Fresken von 1720 mit Szenen aus dem Leben des Hl. Georg und der Hl. Dreifaltigkeit im Mittelfeld. Die Kapelle ist in einem schlechten baulichen Zustand und geschlossen.

  • Die barocke Kapelle St. Maria Einsiedel (Kaplica NMP "Na pustkowiu", ul. Lipowa) ist eine Stiftung von Johann Sigismund Hoffmann von Leuchtenstern von 1678. Sie wurde 1690 und 1801 erweitert. In den Giebeln sind Figuren der Maria Immaculata und der Hll. Anna und Joseph. Der Hauptaltar – mit Marienfigur von 1672 – ist aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die neobarocken Altäre sind von 1926. Vor der Kapelle steht eine Mariensäule.

Stadtwald und Umgebung

Direkt an den Badebezirk schließt der Stadtwald an, der früher über 35 km lange Wanderwege bot. Beliebte Wanderziele sind der 1786 erbaute Waldtempel, in dem sich 1813 König Friedrich Wilhelm III. und Zar Alexander trafen und der schöne Aussichtspunkt Dreieckerfels (Trojak) sowie die Burgruine Karpenstein (Karpno). Möglich sind auch Ausflüge ins Glatzer Schneegebirge (Masyw Śnieżnika), ins Bielengebirge (Góry Bialskie) und ins Reichensteiner Gebirge.

Ein Zentrum der kirchlichen Kunst

Nachdem Michael Klahr d. Ä. 1724 in Landeck eine große Bildhauerwerkstatt gegründet hat, die von seinem Sohn Michael Klahr d. J. weiter geführt wurde, entwickelte sich Landeck zu einem bedeutenden Zentrum der kirchlichen Kunst. Zu den bekanntesten Bildschnitzern, sowie Kirchen- und Kunstmalern gehören August Klein, Franz Thamm, Aloys Schmidt und seine Söhne sowie Wilhelm Reinsch und Leo Richter.

Gemeinde

Kirchliches Leben in Bad Landeck

 

Panorama Bad Landeck

Zur Gemeinde Lądek-Zdrój gehören die Ortschaften:

Persönlichkeiten

Literatur

  • Otto Langner, Bad Landeck. Ein Handbuch für Kurgäste und Touristen, Glatz 1868

  • Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen Schlesien, München / Berlin 2005, ISBN 3-422-03109-x

  • Handbuch der historischen Stätten Schlesien, hg. von Hugo Weczerka, Stuttgart 1977

  • Das Glatzer Land, ISBN 3-928508-03-2

  • Paul Preis, Musik- und Theaterleben von Stadt und Kreis Glatz, 2. Teil, Hg. Stadt Lüdenscheid 1969

 

 

Bad Landeck  liegt im südöstlichem Teil der Glatzer Region  in einer Höhe von 440 bis 490 m ü.d.M., am Fuß des Reichensteiner Gebirges.
Die Glatzer Region umfasst die Fläche von ca. 1.640 km². Am westlichen Rand dieser Region liegen das Habelschwedter Gebirge (Gory Bystrzyckie) und das Heuscheuer Gebirge (Gory Stolowe), im nördlichen Teil das Eulengebirge (Gory Sowie) und das Warthauer Gebirge (Gory Bardzkie), am östlichen Rand das Reichensteiner Gebirge (Gory Zlote) und das Bielengebirge (Gory Bialskie), im südöstlichen Teil liegen die höchsten Berge, die das
Schneeberg- Massiv (Masyw Snieznika) bilden.

Landeck, eine Stätte der Kunst

Adam Langer veröffentlichte 1912 einen Aufsatz "Landeck, eine Stätte der Kunst". Aus Kalendern und Zeitungsausschnitten, die noch vorhanden sind, lassen sich einige Beweise für die auch von P. Klemenz im "Guda Obend 1933" niedergeschriebenen Äußerungen: "Von den Orten darf Landeck einen Ehrenplatz beanspruchen, wo eine ganze Anzahl hervorragender bildender Künstler geboren sind oder gewirkt haben", geben.

Die Bildhauerfamilie Klahr, Michael  (1693-1742) der Altmeister.

Im Landecker Kirchenbuch stand vermerkt: "1742, den 9. 3. ist der Ehren Veste und Wohlweiß Herr Michael Klahr Rathsverwandter allhier mit gesungenen Requiem sambt ganzer Schule zur Erden bestattet worden, zuvor kath. mit den Sakramenten versehen, seines Alters 49 Jahre".

Er wurde als Sohn unbemittelter Eltern in Bielendorf geboren. Entdeckt hat ihn auf einer Wanderung ins Bielengebirge der Rektor des Glatzer Jesuiten- Kollegiums, Stralano, ein großer Kunstkenner. Der kleine Klahr saß vor dem elterlichen Haus und schnitzte mit dem Taschenmesser Schäflein. Stralano sorgte dafür, dass der Knabe durch die Jesuiten Patres in Glatz in der Bildhauerkunst ausgebildet wurde. Nach dieser Ausbildung schlug Klahr seinen Wohnsitz 1724 in Landeck auf, wohnte Ring Nr. 1 (sp. Kornecke).

Von seiner hohen Begabung und Schaffenskraft zeugen heut noch viele von ihm erstellte Werke in der Heimat. Bewundert wird das Kreuz in unserer Pfarrkirche gegenüber der Kanzel, die Dreifaltigkeit auf dem Ring, ein Fronleichnamsaltar, der stets am Hochfest vor dem mit einer Schutzmantelmadonna verzierten Hauseingang aufgebaut wurde. In der Glatzer Pfarrkirche kündet sein Lob die Kanzel, sein Meisterstück, der Franziskus-und Totenaltar, das Orgelgehäuse und die Beichtstühle. Konradswalde und Wilhelmsthal besitzen von ihm Statuen der hl. Barbara und Katharina, 1727 schuf er auf Kosten des Joh. Christ. Schön, Wirtschaftshauptmann in Schlesien, einem geborenen Wilhelms-thaler, für die donige Kirche den Nepomukaltar. 1733 erstellt der "damals bereits weit und breit rühmlichst bekannt gewesene Meister" für Schönfeld den monumentalen Hochaltar, der 1900 dem Brand zum Opfer fiel, zu dem der Glatzer Kunsttischler Heinr. Jos. Mehr die Tischlerarbeiten lieferte. (Der Altar soll 1000 Floren (Gulden) gekostet haben.) Ferner waren von ihm der Joh. Nepomukaltar, die trefflich geschnitzten Beichtstühle und wohl auch die Kanzel. In Habelschwerdt besaßen Pfarrkirche und Florianskapelle Statuen von ihm; denn so liest man bei Prof. Patzak: "Die Hauptzierde des Raumes bildet der mit hervorragender Meisterschaft aus Lindenholz geschnitzte Hochaltar. . . So spielend leicht zu schnitzen und mit seelischer Anteilnahme bildnerisch zu gestalten, verstand m. E. in jener Zeit nur ein einziger grafschafter Bildhauer, nämlich der Landecker Bürger Michael Klahr, der Ältere, der damals schon seine mustergültigen Arbeiten für die Gl. Pfarrkirche geschaffen hatte".

Michael Ignatius Klahr, d. Jg., 1727-1807

Der Sohn des Altmeisters war auch ein tüchtiger Bildhauer, der seinem Vater in Architektur und Ornamentik gleich kam. Von ihm besaß unsere Pfarrkirche die Kanzel, den damal. Hochaltar (vom Holzwurm zerstört), und die Weihnachtskrippe. 1780 schuf er den Hochaltar für Glätzisch Hausdorf, den Altar für Neundorf (in Anlehnung an den Altar in Schönfeld); 1761 für Ebersdorf eine Wandverschalung, 1776 den Hochaltar (gestiftet von Freiriditer Joh. Donatus John), 1795 Seitenaltäre und Statuen. Seine drei Söhne waren ebenfalls Bildhauer, konnten sich aber mit den Vorvätern nicht messen.

Von Kasimir ist das "Mühlenkreuz" am Karpensteiner Weg; denn seine Inschrift besagt: "Errichtet von Ignatz Gottschalk, Millermeister auf Oberthalheim den 31. July 1829, gemacht von C. Klahr aus Landeck, Bildhauer D. K."

Das Museum, Breslau, war im Besitz von Arbeiten Klahr sen., Klahr d. Jg. und von Kasimir.

Klahr'sche Schöpfungen sind sicher auch das Wannegießer- und das Waldtempel-Kreuz. Die herrlichen Werke derer von Klahr haben andere angeregt, ihnen nadizuschaffen. Einer dieser Nacheiferer war der in weiten Kreisen bekanntgewesene Kunstbildhauer

Franz Thamm, sen., 1831 - 1902

Er wurde am 19. 6. 1831 zu Landeck geboren als Sohn des Maurers Thamm, der dort, wo später die Hofburg stand, ein Häuschen mit etwas Feld sein Eigen nannte. Der kleine "Naseweis", wie seine Angehörigen ihn benannten, erhielt seine ersten Anregungen zur Kunst durch einen Maler, der zur Saison bei den Eltern logierte. Ein "Herrgottsschnitzer" aus Gersdorf regte zu weiterem Tun an. Gönner wollten ihm helfen - doch versagten sie im rechten Augenblick. Und so wurde aus dem Knaben ein rechter Schuhmacher. Harte Schicksalsschläge mußte er durchstehen, bis es ihm gelang, vom "Schusterschemel" zu den "Ehrenstühlen" der Kunst emporzusteigen. Zwar zeigte der Ortspfarrer wenig Verständnis für sein Streben, während der Fürstbischof Heinrich Förster, Breslau, ihn förderte. Ein Vorschußverein von Landeck verschleuderte Geld an unsichere Kunden, aber für den hochachtbaren und strebsamen Künstler gab es nichts (n. A. Langer). Nur die Kapläne Stehr, Kuschel, und vor allem Wolf, standen an seiner Seite, selbst der evg. Pastor Koffler. Als er für die Kirche Köchendorf/Krs. Ohlau einen neuen Hochaltar schaffen sollte, stellten sich Neider ein, um den Auftrag zu verhindern. Sie verpetzten ihn bei der Regierung, da doch ein "Schuster" kaum "etwas von Architektur" verstehen könne. Doch die "Besichtiger" fanden alles sehr schön und man bewilligte dem Künstler sogar eine Prämie von 100 Talern, weil er zudem alles zu billig veranschlagt, habe. Nun folgten auch neue Aufträge: Kanzel und Figuren für Niemen, für Reichenstein Statuen der hl. Maria, des hl. Petrus und Paulus (aus Holz), für Ossig eine Sandstein-Nepomukstatue; für Peterswaldau: hl. Antonius v. Padua. Eine Holzarbeit "Maria Himmelfahrt", bestellt von Bankier Jaques, Berlin, ging in den Besitz der Kaiserin Augusta über, die von dem Kunstwerk sehr entzückt war. Im Kurpark sahen wir die Marmorbüste Kaiser Wilhelms L, ein Werk seiner Hände. Sie begann Th. 1872 auf Wunsch einiger Landecker. Doch brachte das Komitee nur einen Garantie-Fond von 200 Talern zusammen, und die Stadtväter verweigerten, als die Büste 1873 aufgestellt werden sollte, jeglichen Beitrag. Es sah sich Bürgermeister Birke darum veranlaßt, ein Konzert zu veranstalten, aus dessen Reingewinn und aus Spenden hochherziger Menschen die Summe aufgebracht wurde, um dem Künstler die Büste abkaufen zu können. 1877/78 erhielt Thamm ehrenvolle Aufträge von Pfarrer Stehr, Schreckendorf. Die Kirche besitzt von ihm: eine Pieta aus Holz, eine Schutzengelfigur, Statuen des hl. Leonhard, Aloysius und Joseph, und (1885) den erstellten Reliefkreuzweg aus Holz. Abrundend sei gesagt, daß eine Sandsteinmadonna vor dem Breslauer Dorn von seinem Können zeugt, Statuen in einigen Kirchen der Grafschaft.

Und nun sei eine Anekdote, die Adam Langer mitteilte, hier angefügt. Als Thamm seine "Pieta" für Schreckendorf in der Werkstatt den Besuchern zeigte, "war auch ein ungläubiger Beschauer" mit ihm ins Gespräch gekommen. Er fragte den Künstler: "Machen Sie auch wundertätige Muttergottesbilder?" - Die Antwort des Künstlers: "Nun - es haben schon mehrere freireligiöse Herren hier gestanden und sich anständig benommen. Ob das kein Wunder ist?"

August Klein

Über ihn schrieb Prof. Patzak in den GGHB XII/15: "Was ich an dem Kunstschaffen des trefflichen Landecker Bildschnitzers August Klein lobend hervorheben möchte, ist die Tatsache, daß er nicht wie die meisten anderen Grafschafter Bildhauer der späteren Zeit, beeinflußt von dem durch Antonio Canovas (1757 - 1822) Akademiestil beherrschten formenglatten Schema fortarbeitete, sondern daß er dort anzuknüpfen versuchte, wo die bodenständige Kunstentwicklung in der Grafschaft abbrach: nämlich beim Barock- und Rokokostil, wie ihn schließlich die Landecker Klahrschule zu besonderer Eigenart ausgebildet und gesteigert hatte".

Klein schuf den Hochaltar unserer Pfarrkirche (die Tischlerarbeiten dazu lieferte der Kunsttischler Aßmann, Landeck). 1902 erhielt er den Auftrag, den Hochaltar für Schönfeld zu erstellen. (In beiden Fällen Ersatz für Klahr'sche Arbeiten, die zerstört wurden.) Auch hier hat Aßmann die Tischlerarbeiten gefertigt. 1877 wird das Sandsteinkreuz auf dem Friedhof von ihm errichtet. In der Pischkowitzer Kirche befand sich eine "Immaculata" von ihm, die Edmund Reymann von Landeck staffierte.

Aloys Schmidt, 1855 - 1939

Im "Guda Obend" 1928, wird über den Herrgottsschnitzer aus Landeck so berichtet: "Der Hochaltar in der Gnadenkirche-Wartha ist ein prächtiges Werk edler Holzschnitzkunst im Barockstil. Viele haben dieses schon bewundert und nur wenige wissen, daß der Altar zum größten Teil ein Werk unseres Heimatkünstlers Aloys Schmidt in Landeck ist. Im Jahre 1891 erhielt Schm. vom Pfarrer Dr. Birnbach den Auftrag, nach dem schon vorhandenen, das Altarbild schmückenden Barockrahmen, einen passenden Vorderaltar zu bauen. Die Schnitzerei ist restlos Schmidt'sche Arbeit. Die Staffierung führte Kirchenmaler Jos. Krachwitz, Frankenstein, aus. Aus gleicher Werkstatt sind die Beichtstühle, Wandlungsleuchter sowie einige andere Arbeiten in der Gnadenkirche hervorgegangen".

Für die ev. Kirche in Mittelwalde schnitzte er die Kanzel, einen gotischen Altaraufsatz mit ebenmäßigem Kruzifix (1899).

"Hoflieferant" stand über dem Hauseingang zur Werkstatt. In Reyersdorf geboren, hat er als Hütejunge auch schon mit dem Taschenmesser erste Versuche im Schnitzen unternommen, kam dann zum Holzschnitzer Tschöpe, Kunzendorf, in die Lehre, die durch die Einberufung des T. unterbrochen, nach dessen Rückkehr wieder aufgenommen wurde. Nach Beendigung der Lehre vervollkommnete er sich in verschiedenen Ateliers und ließ sich 1878 in Landeck nieder. Seine Arbeiten fanden schnell Bewunderer und Gönner, so den Prinzen Albrecht v. Preußen und dessen Gemahlin. Auch Herr Weberbauer verschaffte ihm größere Aufträge. 1879 ging der erste Altar aus seiner Werkstatt hervor; 1880 schuf er das Modell zum Marienbade (das auf der "Hygiene-Ausstellung Berlin" ein Diplom bekam), das heut noch bewundert wird. Weit über 200 Altäre sind in Kirchen aufgestellt worden. In unserer Kirche zieren der Barbara- und Nepomuk-Altar das Presbyterium. Sein Altar in der Kirche Groß-Wierau stand unter Denkmalschutz. Noch im hohen Alter legte er die Hand an den überlebensgroßen Christuskörper an, der für die Anstaltskirche in Branitz, O/S, bestimmt war. Viele Grabkreuze schmücken die letzte Ruhestätte unserer Grafschafter dort wie hier. Er durfte es noch erleben, wie sein Werk von seinen Söhnen, Alfons als Bildhauer, Gottfried, als Tischler, und Konrad nicht nur fortgesetzt sondern weiter ausgebaut wurde.

Konrad Schmidt ließ sich nach der Vertreibung in Bevergern nieder. War er zwar als Kunstmaler ausgebildet, so zeigte er schon immer ein besonderes Talent für das Figürliche, wenn es galt, Entwürfe zu modellieren. So lebt das Erbe des Vaters in ihm im Westen weiter. Er gewann durch gute Arbeiten Anerkennung und Gunst bei Kennern, schuf für die Kirche in Tecklenburg Statuen und den Umbau des Altares, für Bevergern eine Weihnachtskrippe, für Ibbenbüren eine überlebensgroße Mauritius-Statue. Auf Gräbern Vertriebener sind da und dort wieder die "Marterl" zu sehen.

Unter "August 1881" ist zu finden, daß Kunsttischler und Bildhauer Hetwer einen Kreuzaltar für eine Kirche in Krakau lieferte. Leider ist über ihn nichts in Erfahrung zu bringen.

Desgleichen über H. Rasch, der 1858/59 die Kreuzwegstationen für den Kapellenberg, Reinerz, aus Sandstein gemeißelt hat. (Sicher wohl die Umrahmung).

Als Steinbildhauer wirkte noch bis zur Vertreibung Max Glatter, auch hier fehlen Angaben.

Es müssen auch die stillen Schnitzer genannt werden, die mit Liebe und Sorgfalt aus dem Holz Kunstwerke hervorbrachten: Die Meister: Goebel, Feistel, der "Härschla-Bartsch", Franz Müller, und Herr Hornig. Adolf Menzel war durch seine Drechslerarbeiten bekannt.

In Verbindung mit den Bildhauern standen, wie zu erkennen war, die Kirchenmaler, Kunstmaler, Staffierer, die Altären und Statuen farbigen Glanz verliehen, Kirchenräume gestalteten.

In alten Schriften fanden sich die Namen dieser Künstler:

Eduard (Edmund?) Reymann, der seine Werkstatt in der Quergasse gehabt hat, über dem Hauseingang ein Madonnenbild. Er war mit Franz Thamm gut befreundet, beide ermunterten sich gegenseitig zu frohem Schaffen. Er staffierte den Klein'schen Altar für Schönfeld, den Kreuzaltar in Habelschwerdt, Statuen in Wilhelmsthal (1873) und übernahm die Ausmalung der Mittelwalder Kirche. Auch Bilder in unserer Kirche sollen von ihm stammen. 1874 staffierte er die Kanzel in Habelschwerdt (v. Thamm, Habelschw. geschnitzt) für 307 Taler; 1878 den Altar für Nieder Langenau.

Georg Reimann, wohl sein Sohn, der in der Quergasse wohnte, war auch Kunstmaler, ich bewunderte oft seine Stilleben in öl.

Wilhelm Reinsch, Kunst- und Kirchenmaler wohnte auf der Kirchstraße. Er malte bei der Renovation der Pfarrkirche 1904, die Deckengemälde; 1891 schuf er das Altarbild für die Antoniuskirche, Grafenort; 1906 bekam er den Auftrag, ein großes Bild für die Klosterkirche, Trebnitz, die hl. Hedwig darstellend, zu malen. In seinem Atelier stellte er mit Landecker Personen ein Gruppenbild zusammen und malte danach. Weiterhin bekannt ist, daß er die Kirche in Ebersdorf und die Schreckendorfer Kirche (unter Pfarrer Riedel) und 1881 die Hospitalkirche, Habelschwerdt, ausmalte.

Leo Richter, geboren in L., dort am 24. 10. 58 verstorben. Seine Lehrzeit verbrachte er in L.; ging zur weiteren Ausbildung nach Regensburg, besuchte die Kunstgewerbeschule in München und richtete später in Landeck seine "Werkstatt für Kunst- und Kirchen-malerei" ein. Neben Aufträgen aus Grafschafter Kirchengemeinden und aus Schlesien, erhielt er auch staatliche Aufträge, die, wie Urteile besagen, künstlerisch und stilsicher ausgeführt wurden. Anerkennung fand sein Schaffen z. B. bei Provinzialkonservator Prof. Dr. Burgmeister, und bei dem Landeskonservator Prof. Dr. Kühnel, Prag. Die Restaurierung von Kunstwerken erregte Bewunderung. Er staffierte viele Werke des Bildhauers Wagner, Glatz; malte die Marien- und Rochuskapelle aus, hat die letzte Reinigung der Pfarrkirche unter Prälat Heinze durchgeführt.

Noch eine Reihe von Maler-Künstlern sind zu nennen, die in Landeck geboren wurden oder ihre Wohnstatt hier aufschlugen.

Am 3. 2. 1882 starb in Landeck der Historien- und Genremaler Eduard Steinbrück, 80 Jahre alt, geb. in Magdeburg. Von ihm besaß die St. Hedwigskirche in Berlin "Die Anbetung der Hirten".

Johannes Graf, gebürtig aus Fraustadt/Posen, (30. 12. 1837), starb in L. am 16. 5. 1917, und fand seine letzte Ruhestätte auf dem ev. Friedhof. Kein Denkmal zierte sein Grab. Unter dem grünen Rasen ruht er von aller Mühseligkeit dieser Erde aus. Wer kennt ihn noch, diesen hageren Mann, mit dem Schlapphut, mit dem wallenden Bart, mit dem weiten grauen Umhang! Er "kam von fernher - gewann das Grafschafter Ländchen lieb", schlug hier seine Heimat auf. Er blieb ein Fremder insofern, als er den Umgang mit Menschen nie suchte. Sein Nachlaß, der an 1500 Bilder auf wies, war der ev. Kirchengemeinde testamentarisch vermacht. Die Stadt hat es nicht fertig gebracht, ein Bild von ihm zu erwerben. Nach seinem Tode fand das Schaffen des Künstlers erst volle Anerkennung, wozu eine Ausstellung in Breslau, durchgeführt von Prof. R. Becker, Anlaß gab.

Josef Müller, geb. am 8. 3. 1860 in Landeck. Er besuchte die Präfektenschule (mit Pfarrer May zusammen), ging in Breslau auf die Kunstschule zu weiterer Ausbildung und besuchte die Malerakademie in Berlin. Er wirkte zunächst bei Kirchenmaler Krachwitz, Frankenstein, malte Heiligenbilder für Kirchen in Schlesien. Er lebte lange Zeit in Berlin und fertigte in Museen viele Skizzen; ein solches Skizzenbuch soll noch erhalten sein, wie einige Bilder von ihm in der Verwandtschaft. Wie viele andere Werke, sind auch seine Sammlungen von den "Befreiern konfisziert" worden. In unserer Pfarrkirche konnte man im Oktober das "Rosenkranz-Marienbild" am Anna-Altar immer sehen.

Schicken wir der nächsten Würdigung einen Auszug aus dem Nachruf voran, den Joh. Raschke 1901 für Josef Plascke in den "Landecker Nachrichten" geschrieben hatte:

" . . . nicht zufällig ist es, daß in dem mit landschaftlichen Reizen reichgesegneten Landecker Tale Menschen über den handwerklichen Rahmen hinaus zum Künstler sich der hier die Wunder seiner Allmacht häufte; sie strebten, jeder in seiner Weise, nach Vollkommenheit, der eine auf religiösem, der andere auf realistischem Gebiet der Kunst

Josef Plaschke, geb. am 11. 4. 1828 in Mittelwalde, erwarb sich mit seinen Vogelreliefbildern Weltruhm. Wie kam es dazu? Das "Hinter- die Schulegehen" konnte man ihm nicht abgewöhnen. Dafür besuchte er die große Schule Gottes, die Natur. Dort war er zu Hause, wo Blumen, Vögel, Fische, seine Kameraden, lebten. Er schoß Vögel, rupfte ihnen die Federn aus und legte sie so, wie sie an dem Vogelkörper angewachsen waren, auf ein Stück Papier und zeichnete das Ergebnis.

Diese Zeichnungen soll er noch als Meister benutzt haben. Die flache Vogelbildherstellung lernte er beim Stubenmaler Larisch kennen, der nahe am Vaterhaus wohnte; guckte sich, d. h. mußte sich die Handgriffe abstehlen, wenn Larisch an der Arbeit war, denn der wollte seine Kunst geheim halten. 1855 kam Plaschke nach Landeck, wurde als Stubenmaler beliebt, heiratete die Tochter des Mühlenbesitzers Johann Franke, Nieder-Thalheim. Dekorationen in Neubauten übertrug man ihm, und so soll er auch das Innere der Kirche und des Rathauses ausgemalt haben Doch die Stubenmalerei brachte nicht viel ein. So verlegte er sich auf die Kunstmalerei und Herstellung von Vogelreliefbildern. Hierin wurde er nun der Meister. Er fand großen Beifall, Aufträge aus nah und fern gingen ein, Auszeichnungen verschiedener Art wurden ihm zuteil: 1883 die goldene Medaille am Band, 1. Preis v. Boston; 1891 die silberne Medaille, Moskau; die goldene Medaille, Ehrenpreis von der Ausstellung Mödling bei Wien; auf der Industrie- und Gewerbeausstellung, Görlitz die "Größe-Silberne Medaille" nebst Diplom; auf den Geflügelausstellungen Mainz und Düsseldorf ebenfalls den "ersten Preis, eine Silberne" und Diplom.

Hochgestellte Persönlichkeiten, Schulen, Handelshäuser aus Europa, Amerika, Rußland, griffen nach seinen Schöpfungen. Er starb am 30. 7. 1901.

"Plaschke hat durch seine Kunst das Interesse für die färben- und formreiche Schönheit der Natur in weite Volkskreise getragen. Aus dem Volke hervorgegangen, errang er mit zäher Willenskraft einen Ehrenplatz im Volke", (n. Raschke)

Unterstützten ihn bei seinen Arbeiten auch seine Kinder, so ist doch durch den frühen Tod seines Sohnes diese Kunst in der Familie erloschen.

Sein Lehrling Wilhelm Förster, dessen Vater war Steinmetz, übte die Kunst weiter. Der eigentliche Nachfolger Plaschkes war Landschaftsmaler H. Meisel. Dieser schuf für die "Ausstellung für Handwerk und Kunst", 1904, Breslau, ein Vogelreliefbild "Rebhühnervolk".

Weitere Meister in diesem Fach waren Malermeister Franz Stehr, Quergasse/Glatzer Str., und Paul Stein, a. d. Schlösselbrücke.

In Landeck wirkten ferner die Maler Prof. Marmann und Neumann (n. P. Klemenz). Es darf auch nicht vergessen werden Franz Franke, geb. in Landeck, gest. in Dresden. Schon als Präparand fiel er durch seine genauen Zeichnungen auf. Nach seiner Ausbildung als Lehrer ging er nach Dresden-Leipzig und ließ sich auf Kunstschulen weiter ausbilden. Bewundert wurden seine mitunter ausgestellten Bilder, die von seiner Eigenwilligkeit zeugten; in den "Guda Obend" Kalendern sahen wir seine Federzeichnungen; ein Kalendarium "Kapellen der Grafschaft", oder "Grafschafter Typen". In Dresden wirkte er zunächst an einer Kunstschule, zuletzt als freischaffender Künstler. F. Franke war der Sohn des Handschuhmachers Franke, Kirchstraße.

Erwähnt sei in diesem Zusammenhang auch Kaplan Anton Heinrich, der spätere Pfarrer von Grafenort. Er malte Aquarelle: das "neue Bad", das "alte Bad", eine Pastellzeichnung vom Treffen König Friedrich Wilhelm III. mit dem Zar von Rußland vor dem Königshaus. Sie zeichneten sich nach fachmännischem Urteil durch bemerkenswerte Genauigkeit aus. (n. Schätzke) In Kupfer gestochen hat seine Aquarelle I. C. Richter Berlin; davon sind Abdrucke erhalten.

Sind bisher Holzbildhauer und Kirchenmaler genannt worden, so wollen wir auch jener gedenken, die für die Kirchen die "Königin der Instrumente" bauten. Daß in Landeck auch der Instrumentenbau zu Hause war, geht aus dem Vermerk hervor, der besagt: "1688, dem Orgelbauer, Uhrmacher und Bürger von Landeck Johannes Jung eine Tochter geboren".

Auch ein Ignatius Mentzel scheint sich dem Orgelbau verschrieben zu haben.

Julius Fabian, gest. 1894, nennen die Sterbematrikel "Instrumentenbauer". Georg Loessel gibt in seinem Aufsatz, GGHB 7/49, an, daß Geigenzettel von "Johann Fabian 1826 Landeck 1894" vorhanden waren. Es könnte sich um dieselbe Person handeln. Dann war auch der Geigenbau in L. vertreten.

Über die Orgelbau-Familie Lux gibt Dr. Kurt Witt, ein Neffe des Orgelbaumeisters Franz Lux, interessante Auskunft.

Großvater Josef Lux ist in Altgersdorf 1792 geboren, sein Sohn Josef, wie der Vater Tischler, 1831 geb., begann mit dem Orgelbau. Die Kenntnisse dazu hat er von niemandem erworben. Seine Schöpfung war eine "Sensation" im Bieledörflein. Eine "hohe Fürstin", in Landeck zur Kur, soll nach Altgersdorf gekommen sein, bewunderte das Instrument, kaufte es Lux für "ein gutes Geld" ab und schenkte es "Maria Schnee".

Dieser Erlös, das "gute Geld", bildete das Grundkapital für die Orgelbauanstalt Lux. Er siedelte nach Landeck über und erwarb das Haus an der Seitenberger Straße, in dem bis zur Vertreibung die Lux wohnten. Seine Söhne, Franz und Reinhold, bildete er in diesem Fach aus und sorgte für weitere Vervollkommnung. Vater Josef Lux war guter Pianist, Orgelspieler und Oboist, er spielte auch im Kurorchester mit. Im Hause Lux trafen sich zu musikalischer Betätigung Chorrektor Forche und Lehrer Wiehl, Freunde der Familie. Eine große Anzahl an Orgeln, die in den grafschafter Kirchen erklangen, könnten genannt werden; z. B.: 1872 - Wilhelmsthal (96 Taler); 1881 - Grunwald, abgenommen von Musikdirektor Kothe; 1888 - Heinzendorf und Alt Gersdorf; 1887 -Rayersdorf, mit 16 klingenden Stimmen (4100 Mark); 1889 für Langenbrück mit 12 klingenden Stimmen; 1904 in der Landecker Kirche durchgreifende Reparatur und Verbesserung; 1905 in Schreckendorf; u. viele andere. 1877, so liest man, bauten Wünsche und Lux, Landeck die Orgel für Neuweistritz.

Großvater Josef Lux lebte von 1792 - 1870; Vater Josef Lux von 1831 - 1896; Sohn Franz Lux von 1864-1924; mit ihm erlosch das Geschlecht der Orgelbaumeister. Seine Söhne: Fritz Lux wurde Lehrer; Herbert, ein guter Geiger, wählte das Bankfach.


Richard Hauck
Auszug aus Bad Landeck/Schlesien, Bilder aus einer deutschen Stadt, Herausgeber: MARX VERLAG, 1973.