Reyersdorf

Radochów

50° 21′ 0″ N   -   16° 46′ 0″ O

Reyersdorf  (Radochów ) ist ein Dorf im Krs. Glatz in Niederschlesien. Es gehört zur Stadt- und Landgemeinde Bad Landeck (Lądek-Zdrój ) und liegt 14 Kilometer südöstlich der Kreisstadt Kłodzko. Es wird über die Woiwodschaftsstraße 392 erreicht, die von Żelazno nach Lądek-Zdrój führt.

Sommerfrische Reyersdorf bei Bad Landeck. Blick nach dem Glatzer Schneeberg.
Sommerfrische Reyersdorf bei Bad Landeck
Blick nach dem Glatzer Schneeberg

Reyersdorf wurde erstmals 1362 als Rycharczdorf erwähnt. Weitere Bezeichnungen waren Richardsdorf (1412), Reichardsdorf (1416) und 1419 Reyersdorf[1]. Es gehörte zum Glatzer Land, mit dem es die Geschichte seiner politischen und kirchlichen Zugehörigkeit teilte. In ältesten Zeiten war es im Besitz der Herren von Pannwitz. Im Dreißigjährigen Krieg plünderten 1622 kaiserliche und sächsische Truppen Reyersdorf und die umliegenden Dörfer Kunzendorf, Ullersdorf und Heinzendorf. Wegen seiner Beteiligung am böhmischen Ständeaufstand wurde 1625 Friedrich von Reder, der damalige Besitzer von Reyersdorf, vom Kaiser enteignet. Dadurch gelangte Reyersdorf zusammen mit Schönau an den Freiherrn von Neuhaus, der sich als Obrist auf Seiten der Kaiserlichen Verdienste bei der Belagerung von Glatz erworben hatte. Ihm war zunächst die Herrschaft Neurode zugesprochen worden, fiel jedoch nach der Konversion des Bernhard von Stillfried an diesen zurück. Auch der Reyersdorfer Freirichter Hans Peschke wurde zunächst enteignet, erhielt jedoch, nach der Rückkehr zum katholischen Glauben und der Zahlung einer Geldstrafe, sein Gut wieder zurück.

Nach den Schlesischen Kriegen fiel Reyersdorf zusammen mit der Grafschaft Glatz 1763 mit dem Hubertusburger Frieden an Preußen. Anfang des 18. Jahrhunderts war es im Besitz des Julius Graf von Neuhaus. Nach der Neugliederung Preußens gehörte es seit 1815 zur Provinz Schlesien und war zunächst dem Landkreis Glatz eingegliedert. 1818 erfolgte die Umgliederung in den neu gebildeten Landkreis Habelschwerdt, zu dem es bis 1945 gehörte. 1939 wurden 846 Einwohner gezählt.

Als Folge des Zweiten Weltkriegs fiel Reyersdorf 1945 wie fast ganz Schlesien, bis zum Abschluß eines Friedensvertrages vorläufig an Polen und wurde in Radochów umbenannt. Die deutsche Bevölkerung wurde ausgeraubt und brutal vertrieben. Die neuen Bewohner waren Migranten Ostpolen. 1975–1998 gehörte Radochów zur Woiwodschaft Wałbrzych. 1997 richtete ein Hochwasser große Schäden an.

Sehenswürdigkeiten

  • Die Pfarrkirche St. Nikolaus (Kośćiół Św. Mikołaja) von 1614 wurde 1883 durch einen Blitzschlag zerstört, anschließend wieder aufgebaut und im Stil des Historismus ausgestattet. Den Hauptaltar schuf der Landecker Bildhauer Aloys Schmidt. Innerhalb und außerhalb der Kirche befinden sich alte Grabplatten, die zum Teil aus dem 14./15. Jahrhundert stammen.

  • Der 1362 erwähnte Gutshof wurde Anfang des 17. Jahrhunderts für Bernhard von Pannwitz neu errichtet und gelangte später an die Familie von Haugwitz. Im Inneren befinden sich Wandmalereien mit Pflanzenmotiven. Der Repräsentationssaal enthält figurale und heraldische Darstellungen. Das Balkonportal in der Nordfassade wurde um 1800 errichtet. Der Gutshof befindet sich in einem schlechten baulichen Zustand und ist vom Verfall bedroht.

  • Die St.-Nepomuk-Statue von 1732 wurde durch den Grafen von Neuhaus gestiftet.

  • Nördlich des Ortes unterhalb des Gipfels des Stachelberges (Cierniak) steht die Wallfahrtskapelle Mariahilf. Sie wurde aufgrund eines Gelöbnisses vom Ortsschulzen Anton Wachsmann 1850 erbaut und 1858 erweitert. Den Altar und die Heiligenfiguren schuf der Landecker Bildhauer Franz Thamm.

  • Westlich des Berges liegt eine Tropfsteinhöhle, die 1830 zufällig gefunden und frei gelegt wurde.

  • Südlich des Ortes an der Landstraße liegt eine Kapelle, die vermutlich zum Gedenken an Gefallene des Dreißigjährigen Krieges errichtet wurde.

Persönlichkeiten

Literatur

  • Joseph Kögler: Die Chroniken der Grafschaft Glatz. Neu bearbeitet von Dieter Pohl. Bd. 4, ISBN 3-927830-18-6, S. 29–30

  • Peter Güttler: Das Glatzer Land. Reiseführer herausgegeben von der Aktion West-Ost im BDKJ, Düsseldorf 1995, ISBN 3-928508-03-2, S. 93–94

  • Arno Herzig, Małgorzata Ruchniewicz: Geschichte des Glatzer Landes. Hamburg-Wrocław 2006. ISBN 3-934632-12-2, S. 135–137

  • Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen Schlesien, München·Berlin 2005, ISBN 3-422-03109-X, S. 795