Steinmetz, Karl Friedrich von

 

 

 

*       25.12.1796, Eisenach
†        4.08.1877, Bad Landeck

 

preußischer Generalfeldmarschall.

Karl Friedrich Steinmetz 1806 trat in das Kulmer Kadettenhaus ein. Sein Vater, Johann Wilhelm von Steinmetz, verstarb bereits im Alter von 46 Jahren im Jahre 1808. Karl Friedrich rückte in das Berliner Kadettenhaus auf und erwarb dort schnell den Rang eines Portepeeunteroffiziers.

Anfang 1813 wurde Steinmetz als Leutnant dem 1. Infanterieregiment zugeteilt, das zu dem Verband des Yorckschen Korps angehörte. Und im Jahre 1818, zum Premierleutnant befördert (1819), in das 2. Garderegiment versetzt.

Erst das Jahr 1848 brachte ihn in die Lage, seine militärischen Fähigkeiten seit den Befreiungskriegen zum ersten mal wieder im Felde zu bewähren. Eine königliche Order betraute ihn mit dem Befehl über zwei Bataillone des 2. Infanterieregiments. An der Spitze dieser Truppenteile zog von Steinmetz, seit 1839 Major, in den Schleswig-Holsteinischen Krieg. Für seine Leistungen während dieses Feldzuges erhielt er den Orden Pour le Mérite, den ihm Prinz Wilhelm bei der Parade der zurückgekehrten Bataillone persönlich umhängte.

Es folgten die Beförderungen zum Oberst 1851 und zum Generalmajor 1854. Ende 1857 übernahm er das Kommando über die 1. Division in Königsberg. Sechs Monate später erhielt er die Beförderung zum Generalleutnant. Als solcher kommandierte er die große Parade bei der Krönung Wilhelms I. zu Königsberg.

Im Jahre 1866, als Kommandierender General des V. Armeekorps, nahm Karl Friedrich von Steinmetz am Preußisch-Österreichischen Krieg teil. Er wurde der Armee des Kronprinzen zugeteilt die über drei Pässe des Riesengebirges in Böhmen einrückte. Das Korps Steinmetz bildete zusammen mit dem VI. Armeekorps den linken Flügel der kronprinzlichen Armee. Der kaiserliche Feldherr, Generalfeldzeugmeister Benedek, wollte die Vereinigung der kronprinzlichen Korps unter allen Umständen verhindern. Es kam am 27. Juni 1866 bei Nachod zu schweren aber siegreichen Gefechten. Etwas später schlugen seine Truppen bei Skalitz das österreichischen VIII. Korps unter Erzherzog Leopold vollständig. Mit diesen Erfolgen der von Steinmetz geführten Einheiten wurde der entscheidende Sieg bei Königgrätz erst wirklich vorbereitet, dessen Korps übrigens bei dieser Entscheidungsschlacht in der Reserve blieb. Neben Moltke war Karl Friedrich von Steinmetz damals der gefeiertste preußische Heerführer.

Steinmetz Erfolge im böhmischen Feldzug verschaffte ihm im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 ein selbständiges Kommando als Heerführer. Ihm wurde die erste deutsche Armee, bestehend aus dem VII. und VIII. Korps, unterstellt, wozu später noch das I. Korps und die I. Kavalleriedivision traten. Auf diesem Posten vermochte sich der nunmehr 74-jähige nicht mehr ganz auf der Höhe seiner Zeit zu zeigen. Mit der Einführung des Telegrafen waren die einzelnen Armeeführer viel enger an die Befehle gebunden, die ihnen von der obersten Heeresleitung übermittelt wurden. Moltke hat von dieser Einrichtung seit dem Krieg von 1866 einen effizienten Gebrauch gemacht. Am 7. August 1870 hatte von Steinmetz nicht nur ohne Befehl den verlustreichen Sturm auf die Spicherer Höhen angeordnet, sondern sich dabei auch auf die Marschstraße der 2. Armee des Prinzen Friedrich Karl begeben, was zu Reibereien zwischen den beiden Armeeoberbefehlshabern führte.

Während der Schlacht bei Gravelotte am 18. August 1871 befahl er eigenmächtig einen Frontalangriff auf eine starke französische Stellung, wobei seine beiden Armeekorps erhebliche Verluste erlitten. Steinmetz hatte offensichtlich die Wirkung der modernen Hinterladergewehre völlig unterschätzt, war aber nicht bereit, den scheiternden Angriff rechtzeitig abzubrechen. Indessen hatte der französische Befehlshaber Marschall Bazaine nicht das Kalkül, die blutige Teilniederlage Steinmetz' auszunützen.

Die Folge seines Verhaltens war die Unterstellung seiner Armee unter den Oberbefehl des Prinzen Friedrich Karl. Während der Belagerung von Metz kam es zwischen diesen beiden schroffen Soldatennaturen zu einem vollständigen Bruch. Aber erst als Steinmetz in seinem Groll gegen den Prinzen sich eines subordinationswidrigen Verhaltens schuldig machte, indem er seinem Oberkommandierenden gegenüber eine Meldung unterließ, wurde er nach Posen als Generalgouverneur versetzt.

Sein daraufhin eingereichtes Abschiedsgesuch lehnte der König vorerst ab. „Ich bin ihren ausgezeichneten Diensten schuldig, Sie vor einen derartigen Schritt zu bewahren“ schrieb der Monarch seinem alten General. Erst mit Abschluss des Krieges erfolgte die Versetzung Karl Friedrich von Steinmetz' zu den Offizieren von der Armee unter gleichzeitiger Verleihung des Charakters eines Generalfeldmarschalls.

Der alte Feldmarschall setzte sich in Görlitz zur Ruhe und starb in der Nacht vom 3. zum 4. August 1877, bei einem Kuraufenthalt in Bad Landeck, an einem Herzschlag.

Ehrungen

Die Steinmetzstraße in Berlin-Schöneberg erinnert an den Generalfeldmarschall, die Nachodstraße an seine militärischen Erfolge.

Der preußische Militärmusiker Carl Bratfisch widmete dem Generalfeldmarschall den bekannten Steinmetz-Marsch (AM II, 197).

Literatur

  • Jürgen Hahn-Butry (Hrsg.): Preußisch-deutsche Feldmarschälle und Großadmirale. Safari, Berlin 1937.

  • Siegfried Fiedler: Generalfeldmarschall Carl Friedrich von Steinmetz. In: Deutsches Soldatenjahrbuch 1971, Seite 291 ff.; Schild Verlag, München 1971.

  • Bernhard von Poten: Steinmetz, Karl Friedrich v. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Bd. 36, S. 10–19.