Thamm, Franz

 

 

 

*         19.06.1831, Bad Landeck
† 
      21.02.1902, "

 

Maler. Bildhauer.

 

Er wurde am 19. 6. 1831 zu Landeck geboren als Sohn des Maurers Thamm, der dort, wo später die Hofburg stand, ein Häuschen mit etwas Feld sein Eigen nannte. Der kleine "Naseweis", wie seine Angehörigen ihn benannten, erhielt seine ersten Anregungen zur Kunst durch einen Maler, der zur Saison bei den Eltern logierte. Ein "Herrgottsschnitzer" aus Gersdorf regte zu weiterem Tun an. Gönner wollten ihm helfen - doch versagten sie im rechten Augenblick. Und so wurde aus dem Knaben ein rechter Schuhmacher. Harte Schicksalsschläge mußte er durchstehen, bis es ihm gelang, vom "Schusterschemel" zu den "Ehrenstühlen" der Kunst emporzusteigen. Zwar zeigte der Ortspfarrer wenig Verständnis für sein Streben, während der Fürstbischof Heinrich Förster, Breslau, ihn förderte. Ein Vorschußverein von Landeck verschleuderte Geld an unsichere Kunden, aber für den hochachtbaren und strebsamen Künstler gab es nichts (n. A. Langer). Nur die Kapläne Stehr, Kuschel, und vor allem Wolf, standen an seiner Seite, selbst der evg. Pastor Koffler. Als er für die Kirche Köchendorf/Krs. Ohlau einen neuen Hochaltar schaffen sollte, stellten sich Neider ein, um den Auftrag zu verhindern. Sie verpetzten ihn bei der Regierung, da doch ein "Schuster" kaum "etwas von Architektur" verstehen könne. Doch die "Besichtiger" fanden alles sehr schön und man bewilligte dem Künstler sogar eine Prämie von 100 Talern, weil er zudem alles zu billig veranschlagt habe. Nun folgten auch neue Aufträge: Kanzel und Figuren für Niemen, für Reichenstein Statuen der hl. Maria, des hl. Petrus und Paulus (aus Holz), für Ossig eine Sandstein-Nepomukstatue; für Peterswaldau: hl. Antonius v. Padua. Eine Holzarbeit "Maria Himmelfahrt", bestellt von Bankier Jaques, Berlin, ging in den Besitz der Kaiserin Augusta über, die von dem Kunstwerk sehr entzückt war. Im Kurpark sahen wir die Marmorbüste Kaiser Wilhelms L, ein Werk seiner Hände. Sie begann Th. 1872 auf Wunsch einiger Landecker. Doch brachte das Komitee nur einen Garantie-Fond von 200 Talern zusammen, und die Stadtväter verweigerten, als die Büste 1873 aufgestellt werden sollte, jeglichen Beitrag. Es sah sich Bürgermeister Birke darum veranlaßt, ein Konzert zu veranstalten, aus dessen Reingewinn und aus Spenden hochherziger Menschen die Summe aufgebracht wurde, um dem Künstler die Büste abkaufen zu können. 1877/78 erhielt Thamm ehrenvolle Aufträge von Pfarrer Stehr, Schreckendorf. Die Kirche besitzt von ihm: eine Pieta aus Holz, eine Schutzengelfigur, Statuen des hl. Leonhard, Aloysius und Joseph, und (1885) den erstellten Reliefkreuzweg aus Holz. Abrundend sei gesagt, daß eine Sandsteinmadonna vor dem Breslauer Dorn von seinem Können zeugt, Statuen in einigen Kirchen der Grafschaft.

Und nun sei eine Anekdote, die Adam Langer mitteilte, hier angefügt. Als Thamm seine "Pieta" für Schreckendorf in der Werkstatt den Besuchern zeigte, "war auch ein ungläubiger Beschauer" mit ihm ins Gespräch gekommen. Er fragte den Künstler: "Machen Sie auch wundertätige Muttergottesbilder?" - Die Antwort des Künstlers: "Nun - es haben schon mehrere freireligiöse Herren hier gestanden und sich anständig benommen. Ob das kein Wunder ist?"
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Franz Thamm wurde in Oberthalheim, einer ehemals selbständigen Gemeinde, die im 18. Jahrhundert an die Stadt Bad Landeck verkauft wurde, geboren. Sein Vater war Maurer, und die Familie lebte in ärmlichen Verhältnissen. Bereits im Schulalter schnitzte Franz Thamm Kreuze und Figuren, die er in den umliegenden Dörfern verkaufte. Obwohl seine künstlerische Begabung früh erkannt wurde und er sich der Bildhauerei zuwenden wollte, konnten ihn seine Eltern nicht entsprechend fördern. Nach einer Schuhmacherlehre ging er auf Wanderschaft und machte sich 1855 mit einem Schuhmachergeschäft in Landeck selbständig. Zwei Jahre später heiratete er die Tochter eines Tischlermeisters aus Schreckendorf. In seiner Freizeit beschäftigte er sich weiterhin mit den theoretischen Grundlagen der Bildhauerei und mit figuralem Zeichnen. Nachdem ihm vom Bildhauer Kutzer aus Obergrund bei Zuckmantel seine künstlerische Begabung bestätigt worden war und der Frankensteiner Kirchenmaler Krachwitz ihm für den Anfang Aufträge versprach, gab Thamm das Schuhmachergeschäft auf und gründete ein Bildhaueratelier. Sein erster Auftrag war ein Altar für die Pfarrkirche in Köchendorf im Landkreis Ohlau. Obwohl von verschiedenen Seiten angezweifelt wurde, ob Thamm, der keine Bildhauerausbildung hatte, dem Auftrag gerecht werden könnte, wurde der Altar von den Vertretern der Regierung positiv begutachtet und Thamm eine zusätzliche Prämie gewährt. Dadurch erhielt er weitere Aufträge in der Grafschaft Glatz und in Schlesien. 1874 errichtete Thamm für sich und seine Familie ein Haus mit Atelier. Dort wurde er häufig von Künstlern besucht, die das Bad Landeck besuchten, u. a. von Eduard Steinbrück und August Julius Streichenberg. 1880 unternahm Thamm eine Kunstreise über Prag nach München, wo er u. a. mit dem Akademieprofessor Joseph Knabl zusammentraf, dem künstlerischen Leiter der Mayer'schen Hofkunstanstalt; 1884 bereiste er Oberitalien. Wegen der Zunahme großer Steinarbeiten errichtete er für sich ein weiteres Atelier mit Oberlicht.

1893 erhielt Thamm den Auftrag für die „Fünfzehn Geheimnisse des hl. Rosenkranzes“ für den Kalvarienberg in Deutsch-Piekar in Oberschlesien. Wegen nachlassender Kräfte konnte er nur die „Geißelung“ und die „Dornenkrönung“ selbst ausführen, die weiteren Werke wurden von seinen Söhnen ausgeführt. Sie schufen auch die Kreuzwegstationen für die Mauritiuskirche in Breslau. 1894 erlitt Thamm einen Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr richtig erholte. 1901 vollende er noch eine Ecce Homo-Statue für die Kirche von Schömberg. Nach seinem ein Jahr später erfolgten Tod führten die Söhne Paul und Adolf die Bildhauerwerkstatt weiter. Der gleichnamige älteste Sohn Franz Thamm jun. hatte sich schon vorher selbständig gemacht.

Werke

Grafschaft Glatz

  • Bad Landeck, Kurpark: Marmorbüste des preußischen Königs Wilhelm I. aus Marmor; Sandkreuz bei der katholischen Pfarrkirche

  • Schreckendorf, Pfarrkirche St. Maternus: Pieta aus Holz, lebensgroße Holzstatuen, Relief-Kreuzwegstationen

  • Ludwigsdorf: Grabdenkmal mit Madonna mit Kind aus Sandstein

  • Niedersteine: Kleines Kruzifix aus Marmor für die Gräfin Magnis

  • Tscherbeney: Lebensgroße Jungfrau Maria aus Sandstein, als Grabdenkmal für Pfarrer Martinetz.

Schlesien

  • Riemen, Kanzel und verschiedene Statuen

  • Reichenstein, mehrere Statuen in Holz

  • Peterswalde: Statue des hl. Antonius mit Christuskind in Sandstein

  • Ossig bei Striegau: Nepomuk-Statue aus Sandstein

  • Schönfeld bei Ingramsdorf, Schloss: mehrere größere Sandsteinarbeiten, Gutenberg-Statue aus Sandstein

  • Liegnitz, Johanneskirche: acht überlebensgroße Statuen, darunter Madonna mit Kind

  • Laurahütte: Sandstein-Hochrelief über dem Kirchenportal: Maria mit dem Jesuskind und zwei anbetende Engel

  • Breslauer Dom: Statue der hl. Jungfrau Maria aus Sandstein

  • Josephsstift Breslau: Statue des hl. Joseph mit Kind

Andere

  • Potsdam, katholische Kirche: Madonna mit Kind

  • Jauernig: Friedhofskreuz

Literatur

  • Adam Langer: Franz Losky. In: Schlesische Biographieen [sic]. Glatz 902, S. 133–158